• 28/06/2012

    Professionelle Personalarbeit in Agenturen? Ging doch bisher auch so!

    War for talents und Employer Branding sind zwei Begriffe, die in den letzten zwei Jahren immer häufiger in der Diskussion über die Personalsituation in Agenturen auftauchen. Die Diskussionen dazu sind gespickt mit vielen Allgemeinplätzen und ganz dünn, wenn es um konkrete Lösungen geht.

    Qualifizierte Mitarbeiter gesucht

    Egal mit welchem Inhaber oder Geschäftsführer ich in den letzten zwei Jahren gesprochen habe, jeder sucht qualifizierte Mitarbeiter. Besonders die kleineren und mittleren Inhaberagenturen tun sich schwer. Und wenn sie dann dann noch außerhalb der Branchenhochburgen liegen wird es richtig knifflig. Gemeinsam mit Robert Mende, GF Designerdock Hamburg habe ich die wichtigsten Verschiebungen im Personalmarkt herausgearbeitet. Sie sind nicht unbedingt vollständig und nicht priorisiert.

    Agenturen als Arbeitgeber

    Die Konjunktur hat den Agenturen in den letzten drei Jahren viel Arbeit mit vielen neuen Projekten beschert. Überall werden Mitarbeiter für die unterschiedlichsten Disziplinen gesucht.

    Viele der Projekte laufen im Onlinebereich, der überproportional wächst. Und gerade hier stehen zuwenig qualifizierte Leute zur Verfügung, um die zudem die verschiedensten Unternehmen kämpfen. Dem schnellen Umbruch und den geänderten Anforderungen lassen sich die Inhalte von Studium, Aus und Weiterbildung nur mit Zeitverzögerung anpassen.

    Der Weiterbildung wurde in den meisten Agenturen in der Vergangenheit keine große Bedeutung beigemessen. Es fanden sich doch immer wieder genug Hochschulabsolventen für die Agenturjobs. Learning by doing musste ausreichen.

    In den vergangenen Jahrzehnten strömten unaufhaltsam Talente von den Hochschulen in die Agenturen. Sie standen am Anfang ihrer Berufskarriere und waren bereit, mit großem Engagement 12 Stunden für wenig Geld in einem kreativen Umfeld auf einem tollen Kunden zu arbeiten. Die Agenturen konnten auswählen und hatten nie das Gefühl eines Mangels. Heute bieten andere Branchen den jungen Leuten Alternativen und das zu angenehmeren Bedingungen. Die Faktoren Bezahlung, Arbeitszeiten, Umfeld, Entwicklungsmöglichkeiten, Teilzeit, etc. gewinnen an Bedeutung.

    Das Freelancertum hat an Bedeutung gewonnen. Aufgrund der wirtschaftlichen Berg- und Talfahrten haben die Agenturen immer wieder Mitarbeiter in größerem Umfang entlassen, die sich als Freelancer etabliert haben. Warum sollen diese aufgrund ihrer Erfahrung und wesentlich besseren Verdienstmöglichkeiten zurück in eine Festanstellung?

    Agenturen bieten wenig Teilzeitarbeitsplätze. Verwunderlich in einer Branche mit derart vielen weiblichen Beschäftigten. Hier liegen viele ungehobene Schätze. Mehr Projektarbeit, sich schnell ändernde
    Auftragssituationen, enge Termine, etc. erfordern mehr Flexibilität. Erstaunlich, dass Teilzeitarbeit und Homeoffice nicht stärker an Zuspruch gewinnen.

    Die wenigsten Agenturen haben bisher eine professionelle Personalarbeit betrieben. Gründe siehe oben. Ein Großteil ist nie richtig aus der Pionierphase raus gekommen. Kunden- und Marktthemen haben für viele Agenturinhaber immer Priorität vor Führungs- und Organisationsfragen. Agenturen müssen erwachsener werden und sich verantwortungsvoll kümmern, um die für ihre Größe und Anforderungen angemessenen Konzepte und Strukturen für Ihre Personalarbeit zu finden.

    Professionelle Personalarbeit erforderlich

    Die alten Zeiten kehren nicht wieder (wäre auch schade bei den vielen entstandenen Chancen z.B. im Onlinebereich) und die Agenturen werden Antworten auf die Herausforderungen finden müssen. Etwas mehr Anstrengung, innovative Lösungen und ein bisschen Eile wären nicht schlecht.

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    • Florian 30/08/2012 · Antworten

      Danke. Das Problem im Kern erkannt und genau so beschrieben wie wir es wöchentlich erleben dürfen. Für den Kunden entscheidend wird nicht mehr Größe oder Standort der Agentur sein, sondern die Qualität der Mitarbeiter und deren Ausbildung.

      Zum Glück haben wir vor vier Jahren angefangen auszubilden und unser Know-How transferiert. Heute profitieren wir von top ausgebildeten Mitarbeitern die keine lange Einarbeitungszeit in die Agentur benötigen…oder hohe Headhuntinggebühren für Recruitment