• Kommuniziert wird auf Augenhöhe. Intern und extern!

    Podcast
    Stuttgart
    johannes_2013_05_web Kommuniziert wird auf Augenhöhe. Intern und extern!
    Johannes Milla / Milla & Partner
    Datum

    03/08/2015

    Dauer

    14:49

    Website

    www.milla.de/

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    „Wir machen keine Belästigungskommunikation“. Johannes Milla benennt die Grenze und was Milla & Partner auszeichnet. Kommunikation auf Augenhöhe, Verantwortung teilen, Teamarbeit, Mitarbeiter, die über den beruflichen Alltag hinaus schauen, das eigene Innovationslabor, reaktive Räume zwischen High- und Lowtech schaffen.

    Mir ist selten eine so stimmige Verbindung zwischen Menschen und Agentur begegnet. Hier wird jeder fündig, der nach den Zutaten für ein erfolgreiches Agentursystem sucht. Und er trifft auf Menschen, die bei aller Leidenschaft und Arbeit „gleichzeitig auch mit einem Lächeln neben sich stehen“.

    Einblicke

    • Kommuniziert wird auf Augenhöhe. Intern und extern!
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    Aus dem Interview

    Wir machen keine
    Belästigungskommunikation.

     

    Herr Milla, nach Hannover und Shanghai haben Sie jetzt den Deutschen Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand gestaltet. 2011 haben Sie den Wettbewerb um das Deutsche Einheitsdenkmal in Berlin gewonnen. Sie machen Messestände, Foren, Sie richten Museen ein.

    Unsere Projekte sind sicherlich sehr unterschiedlich. Was alle Projekte von uns vereint, ob es jetzt ein deutscher Pavillon auf der Weltausstellung ist oder ob es ein Messestand für den Kinderwagenhersteller Cybex in Shanghai ist, wir machen keine Belästigungskommunikation. Wir machen immer Kommunikation, auf die die Menschen bewusst zugehen, sich bewusst ihr aussetzen und bewusst auch über die Dauer und Länge des kommunikativen Dialogs selber entscheiden. Und das ist eine Form von mündiger Kommunikation.

     

    Wie prägen die großen, in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Projekte Milla & Partner?

    Wir werden tatsächlich auch derzeit sehr mit dem Einheitsdenkmal und mit dem Deutschen Pavillon in Mailand identifiziert. Aber das ist nur ein Teil der Arbeit von Milla & Partner. Wir machen große aber auch kleine und mittlere Projekte. Aber es gibt für uns keine großen und keine kleinen Etats. Es gibt sinnvolle und angemessene Etats. Man kann mit einem Budget von 50.000 Euro sehr glücklich werden, wenn Anspruch und Ziele miteinander übereinstimmen. Und man kann mit einem Budget von 2 Millionen furchtbar unglücklich werden, wenn genau diese Faktoren nicht stimmen.

     

    Der erste Punkt ist
    Verantwortung zu teilen...

     

    Mit welchen Überzeugungen führen Sie Ihre Agentur?

    Da kann ich jetzt kein Patentrezept aufsagen. Milla & Partner wird zum einen nicht von mir alleine geführt, sondern ich habe einen Partner, den Peter Redlin, mit dem zusammen ich diese Firma vor 25 Jahren angefangen habe. Wir haben inzwischen acht Gesellschafter und 20 Führungskräfte in Führungsverantwortung. Das heißt, der erste Punkt ist, Verantwortung zu teilen, Verantwortung abzugeben, Vertrauen zu schenken, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eigenständig arbeiten lassen, dafür zu sorgen, dass ein angstfreies Milieu herrscht.

     

    Wie sind dann bei Ihnen Verantwortlichkeiten für Projekte verteilt?

    Verantwortung ruht bei uns auf zwei Schultern, zum einen die Projektleitung, zum anderen die Kundenberatung und Kreation. Kreation und Projektmanagement arbeiten ganz eng zusammen, sind ein Team und treffen die Entscheidungen miteinander. Es gibt Agenturen, da hören wir manchmal den Satz: Und dann übergibt die Konzeptionsabteilung das Projekt der Produktionsabteilung. Das ist für uns ein undenkbarer Schnitt. Kreation und Management und Kalkulation  sind ein nicht voneinander trennbarer Vorgang. Bei uns sitzen von Anfang an Kreative, technische Planer und Kalkulatoren gemeinsam am Tisch und gehen angstfrei miteinander um.

     

    Bei uns macht man das in der Arbeitszeit
    und rechnet die Reisekosten ab.

     

    Wenn ich Sie richtig verstanden habe, entstehen viele Dinge bei Ihnen im Team, im guten Zusammenspiel von Projektleitung, Beratung, Kalkulation, Kreation.

    Ja, das ist die berühmte Frage, wie entsteht Kreativität. Ich denke, Kreativität ist das Wechselspiel aus individueller Leistung und individueller Idee und gleichzeitig kreativem Austausch, also damit Teamarbeit, und gleichzeitig übrigens auch die Offenheit für Inspiration. Wir achten sehr darauf, dass die Mitarbeiter nicht nur die Agentur und nicht nur ihre Arbeit im Kopf haben und auch nicht immer auf denselben Kreativblogs unterwegs sind. Sondern sich auch weit über unseren beruflichen Alltag hinaus Dinge anschauen, ins Theater gehen, Ausstellungen anschauen, reisen. Es gibt Unternehmen, da müssen die Mitarbeiter Urlaub einreichen, um sich eine Ars Electronica anzuschauen oder eine bedeutende Medienkunstausstellung. Bei uns macht man das in der Arbeitszeit und rechnet die Reisekosten ab. Das ist zum Beispiel auch Bestandteil einer Unternehmenskultur und einer Inspirationskultur.

     

    Sie haben ein Innovationslabor. Was kann ich mir darunter konkret vorstellen?

    Wir haben seit vier Jahren ein Innovationslabor mit sechs Mitarbeitern, die einen Forschungsauftrag haben, die 10 bis 40 Prozent ihrer Arbeitszeit projektunabhängig und auftragsunabhängig arbeiten und forschen. Das Innovationslabor entstand aus den Learnings, dass wir in den letzten 20 Jahren sehr viele Innovationen erdacht haben und dann vorangetrieben haben mit technischen Lieferanten. Letztendlich blieb dann aber die finanzielle und ideelle Wertschöpfungskette außerhalb unseres Unternehmens. Jetzt haben wir uns auch unter dem Eindruck der großen Innovationen, die wir beim Deutschen Pavillon in Shanghai geschaffen haben und die auch sofort massenweise kopiert wurden, gesagt, lasst uns jetzt viel mehr Inhouse machen.

     

    Kann ich verstehen.

    Das ist der eine Aspekt. Der zweite ist, es ist ja nicht nur so, dass die Idee oder das Konzept das Werkzeug bestimmen, sondern auch umgekehrt. Als in der Malerei bestimmte Pinsel verändert wurden, veränderte sich die Malerei, weil es andere Pinsel gab. Oder naturalistische Malerei endet ab dem Moment, als es die Fotografie gab, die die Wirklichkeit auf eine naturalistische und realistische Weise viel mehr wiedergeben konnte. Daraufhin veränderte sich die Malerei und die Abstraktion entstand. Also das Tool, das Werkzeug beeinflusst auch die Kreation. Und jetzt haben wir gesagt, so machen wir das auch. Das heißt, wir machen Workshops, in denen unser Innovationslabor neue Erfindungen, neue Technologien, neue Ideen bei uns im Hause vorstellt und das wiederum inspiriert die Kreation.

     

    ...gleichzeitig mit einem Lächeln
    ein bisschen neben sich stehen

     

    Die sogenannte Generation Y soll ja Karriere, Einkommen, Statussymbole nicht mehr als so wichtig ansehen wie Sinnhaftigkeit des Tuns, Familie, Freizeit. Was spüren Sie davon in Ihrer Agentur bei den jungen Leuten?

    Also für uns ist es kein neues Thema. Unsere Arbeit ist zwar wertvoll und wertig und wertschöpfend, aber überhaupt nicht das Wichtigste im Leben. Also es ist wichtig, engagiert zu arbeiten und leidenschaftlich zu arbeiten und die Arbeit, die man macht, zu lieben, aber gleichzeitig auch mit einem Lächeln ein bisschen neben sich zu stehen.

     

    Durch die Agenturszene geistern ja eine ganze Reihe von Begriffen, ob nun Komplexität, Internationalisierung, Content-Management und, und, und. Was sind denn Entwicklungen, die Sie in Ihrer Arbeit als Agentur in erster Linie tangieren?

    Also uns betreffen reaktive Räume. Räume, die auf Besucher reagieren. Daran arbeiten wir. Wir interessieren uns nicht nur für Partizipation, sondern auch für Interkreation. Das heißt, partizipative Lösungen, die Besuchern die Möglichkeit geben, Inhalte und Abläufe selber mitzugestalten, Erlebnisse zu individualisieren und auch den Dialog zu verlängern. Wir arbeiten auch an dem Thema Shy Tech, also Technologie, die sich nicht aufdrängt, die im Hintergrund ist, die unauffällig integriert ist. Wir arbeiten an Technologien, die jeder Mensch intuitiv bedienen kann. Intuitive Bedienung ist ja ein uraltes Thema, trotzdem schaffe ich es immer noch nicht, mit meinem Smartphone durch alle Funktionen zu gehen. Wir haben jetzt im Deutschen Pavillon in Mailand ein interaktives Interface, das sowohl Digital Natives als auch die italienische Großmutter ganz einfach bedienen können und jeweils begeistert davon sind.

     

    Das heißt, wir erleben Ausstellungsräume, Erlebnisräume von Milla & Partner in der Zukunft noch interaktiver, noch mehr anregend, noch intuitiver?

    Ja, gleichzeitig aber ist Raumerleben weiterhin analog. Solange der Mensch noch alle fünf Sinne beisammen hat, ist das Leben weiterhin analog und wir arbeiten einfach mit den Tools, den Räumen, den Dingen, die für die Aufgabe sinnvoll sind. Also manchmal ist Hightech genau das Richtige und manchmal ist Lowtech genau das Richtige.