• Haltung, Relevanz, Kontext, Tiefe

    Podcast
    Berlin
    Foto_Christian_Schwarm-316x316 Haltung, Relevanz, Kontext, Tiefe
    Christian Schwarm / Dorten GmbH
    Datum

    30/10/2012

    Dauer

    21 Min. 52 Sek.

    Website

    dorten.com

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    Ideen im Sinne von Formaten unabhängig von Kanälen entwickelt Dorten schon immer. Die Agentur hat zudem eine einfache, flexible und effiziente Organisation, die einem Biotop ähnelt. Zeiterfassung ganz speziell.

    Mit „Haltung, Relevanz, Kontext, Tiefe“ wird jetzt das Profil noch mehr geschärft. Dazu auf einem Plakat verkündet „Wir sind naiv – und doch nicht naiv“. Wie passt das in die Agenturwelt?

    Einblicke

    • Haltung, Relevanz, Kontext, Tiefe
    • Haltung, Relevanz, Kontext, Tiefe
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    Aus dem Interview

    Schon vor einiger Zeit haben Sie Dorten Berlin gegründet und Ihren eigenen Lebensmittelpunkt dorthin verlagert. Was bedeutet Berlin für Dorten und was für die Agenturszene?

    Ich hatte einen ganz organischen Zugang in die Stadt. Ursprünglich entstand Dorten Berlin aus dem privaten Umzug zweier Mitarbeiter heraus, die wir nicht verlieren wollten. Das war vor etwa fünf Jahren. Letztes Jahr, 2011, habe ich dann entschieden, selbst nach Berlin zu ziehen, obwohl ich natürlich nach wie vor oft in Stuttgart bin. Obwohl es gerade einen enormen Hype um Berlin gibt, verteidige ich die Stadt immer, weil eigentlich jeder auf der Welt versteht, was Berlin für alle kreativen Spielfelder gerade bedeutet – nur die Deutschen wissen’s nicht. In Deutschland redet man lieber über den nicht vorankommenden Großflughafen, der natürlich ein Ärgernis ist. Trifft man aber Kollegen aus London, New York oder von wo auch immer, kriegen alle große Augen, wenn es um Berlin geht. Und zwar nicht wegen der Clubs und der Partystimmung, die hier herrscht, sondern aufgrund dessen, was hier inhaltlich passiert. Früher galt New York als Melting Pot, als ein Schmelztiegel. Ich habe das Gefühl, genau das passiert jetzt in Berlin. Hier fließen kreative Disziplinen wie Kunst, Architektur, Musik, Design, Literatur zusammen und für uns ist Berlin deshalb ein Spielfeld, in das wir unbedingt stärker hinein mussten, um hier ganz wichtige Impulse zu erhalten. Hier wird in den unterschiedlichsten Feldern auf höchstem Niveau gearbeitet, teilweise sogar auf Weltklasseniveau. Dieses Potential mussten wir uns erschließen.

     

    Sie sind der kreative Kopf der Agentur, der Antreiber, der Unermüdliche. Und ich frage mich, wie schaffen es Ihre Mitarbeiter, Sie nicht aus den Augen zu verlieren?

    Sie hätten jetzt auch fragen können, wie ich es schaffe, meine Mitarbeiter nicht aus den Augen zu verlieren.

     

    Dann frage ich Sie jetzt so rum.

    Ich denke, das sind zwei Seiten derselben Medaille. Insofern sprechen Sie einen wichtigen Punkt an, Herr Kühn. Dieses Thema kennen Sie ja als Agenturberater: dieser Konflikt einer Führungspersönlichkeit zwischen der Außenpräsenz und der Innenpräsenz. Und natürlich bin ich sehr viel draußen. Ich empfinde das auch als eine meiner Hauptaufgaben – mit den Kunden am Tisch zu sitzen und dort um die besten Lösungen zu ringen, Briefings abzuholen, Dinge zu präsentieren. Das geht natürlich auf die Zeit und die fehlt ihnen dann an anderer Stelle. Dann kommen noch die zwei Standorte dazu, was die die Situation nochmal verschärft. Aber ich habe nach meinem Umzug nach Berlin gemerkt, dass etwas mehr Abstand zu einem Projekt auch Entwicklungspotential schafft, ich habe die Weisheit ohnehin nicht mit Löffeln gefressen. Vielleicht läuft am Anfang etwas mal ein zwei Tage lang unproduktiver, weil erfahrenere Kräfte natürlich oft schneller sind – aber sie sind eben auch schneller im Begehen üblicher Wege. Das gilt natürlich auch für mich. Nur menschlich finde ich – da wir immer noch ein sehr kleines Team mit 30 Mitarbeitern sind – menschlich darf der Abstand nicht größer werden. Ich hoffe, dass meine Mitarbeiter nach wie vor wissen, dass sie mich immer ansprechen können.

     

    In unserer Zusammenarbeit habe ich Dorten als eine Art Biotop bezeichnet. Ich erlebe gerade bei Ihrem Projektmanagement viel Individualität, Selbstorganisation, Eigenwilligkeit, aber auch Konzentration auf die Aufgabe und den Kunden. Etwas übertrieben ausgedrückt: „Jeder Projektleiter wird auf seine Fasson mit seinem Kunden glücklich.“

     

    Den Gedanken des Biotops haben tatsächlich Sie erstmalig formuliert, den finden wir nach wie vor wunderbar. Der bezeichnet ganz treffend vieles von dem, wofür Dorten steht und auch stehen möchte. Trotzdem haben wir gemerkt, jedes Biotop hat auch ein Ufer und jedes Ökosystem hat seine eigenen Regeln. Und wenn die gefährdet werden, dann kippt das ganze Ökosystem. Zugleich waren wir immer extrem prozesskritisch und haben vieles "Bottom-up" gemacht. Bis dato wurden die Prozesse also häufig aus der Erfahrung unserer Projektmanager und Berater getrieben. Jetzt haben wir diese etwas synchronisiert und zwar dort, wo sie uns allen dienen. Dort, wo wir zu Recht fürchten, dass neue Prozesse das Inhaltliche stark verändern würden, da sind wir nach wie vor sehr, sehr vorsichtig und möchten auch den Biotopgedanken beibehalten. Um ein konkretes Beispiel zu machen: Natürlich haben auch wir eine Zeiterfassung, die generell ein großes Thema in vielen Agenturen ist. Allerdings erfassen bei uns die Berater und die Projektmanager die Zeiten ihrer Teamkollegen. Keiner unserer operativ tätigen Mitarbeiter hat eine Zeiterfassung in seinem System. Weil das Effekte inhaltlicher Art hätte, die wir uns nicht vorstellen können und die auch die Kreativität deutlich einschränken würden – bei anderen Agenturen läuft das ja teilweise schon im Viertelstundentakt.

     

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