• 25/10/2012

    Agenturführung zwischen Machen und Ermöglichen

    Agenturführung der Zukunft - mehre ermöglichen - der Kühn, AgenturCoach

    Agenturführung 2.X – Mehr ermöglichen als selber machen – der Kühn, AgenturCoach

    Wie erlebe ich Agenturinhaber? Was verbindet sie? Agenturinhaber sind in der Regel Macher. Sie wollen Werbung machen, Konzepte schreiben, tolle Ideen kreieren. Auch in größeren Agenturen stecken sie meist noch voll im Kundengeschäft (Inhaber geführt!). Sie sind Attraktion und Motor ihrer Agentur und gleichzeitig Engpass und Bremse. Gefangen schon immer zwischen selber machen und machen lassen.

    Geänderte Anforderungen an die Agenturführung

    Dieses Dilemma hat sich in den letzten Jahren potenziert. Wer alles im Griff behalten will, steht zunehmend vor unlösbaren Problemen. Das bisher klar umrissene Unternehmen Agentur hat seine Grenzen erweitert, entwickelt sich in Sprüngen und ist überhaupt nicht mehr pflegeleicht. Web 2.0, technische Innovationen, Teams aus verschiedenen Agenturen, Nationen und Freelancern, anspruchsvolle Projekte mit Zeit- und Kostendruck, junge Leute denen Schaffen in festen Grenzen und Zeiten eigentlich gegen den Strich geht. Das Netz gebiert ständig neue Lösungen und Chancen. Wie mit diesem Wandel umgehen? Wie sieht Agenturführung 2.X aus?

    Der erste Reflex, wenn der Markt vielfältiger, unübersichtlicher, sprunghafter wird, ist der Ruf nach Klarheit, Ordnung, Struktur, Konsequenz. Ein Weg, der scheitert.  Komplexität lässt sich nur mit Komplexität begegnen. Führung muss grundsätzlich offener, flexibler, vielfältiger, schneller und wesentlich kommunikativer werden.

    Vom Macher zum Ermöglicher

    Dem Macher steht als Alternative der Ermöglicher gegenüber. Loslassen, Freiräume schaffen, Selbstorganisation ermöglichen. Konkret heißt das, für Sinn sorgen, Szenarien und Ziele entwickeln, Ressourcen zur Verfügung stellen, für laufende Kommunikation sorgen und sich ansonsten raushalten.

    Beim Ermöglichen geht es um viel mehr, als Aufgaben zu delegieren und die Erledigung zu überwachen. Es geht um Raum für Mitarbeiter, in dem sie eigenständig und selbstorganisiert Chancen ergreifen, Situationen nutzen und Entscheidungen treffen können. Engagierte Mitarbeiter werden diesen Raum für die Agentur nutzen. Besser, schneller, konsequenter, überraschender als dies ein einsamer Macher kann. Hinzu kommt, wenn Sie Mitarbeiter binden wollen müssen Sie Aufgaben mit Freiräumen und Sinn bieten.

    Trotzdem gilt nicht grundsätzlich weg vom Macher und hin zum Ermöglicher. Wobei aus meiner Sicht und aufgrund der Marktdynamik die Tendenz klar zum Ermöglichen geht. Hier gilt es aber genau hinzuschauen, Situation und Ziele der Agentur zu erfassen und die Erfordernisse der Positionierung zu berücksichtigen. Welche Art der Führung wird praktiziert mit welchen gewünschten und unerwünschten Ergebnissen? Welche Alternativen gibt es? Was passt zu meiner Agentur und zu mir als Inhaber?

    Veränderung liegt in der Luft

    Irgendwie spüre ich die Unsicherheit in den Agenturen. Die Marktdynamik wächst. Heros und Silberrücken haben es immer schwerer. Führungsvorstellungen kommen ins Wanken. Führungsrituale werden plötzlich obsolet oder werden hinterfragt. Veränderung liegt in der Luft. Und diese ist noch nie an den Mitarbeitern gescheitert.

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    • Michael Frank 30/10/2012 · Antworten

      Hallo Hans-Gerhard,

      ein spannendes und höchst relevantes Thema, das Du da anschneidest.

      Ich glaube, dass das Loslassen, das Ermöglichen elementar und wichtig ist, um den Herausforderungen dieser breiten Medienlandschaft erfolgreich zu begegnen und Mitarbeiter langfristig zu motivieren.

      Ich glaube, dass man das Thema aber von mehreren Seiten betrachten muss:

      Die erste Seite ist das Loslassen, das Ermöglichen, das Du beschrieben hast.

      Die zweite ist die konsequente kreative und konzeptionelle Führung im Sinne der Marken und der Ziele der Kunden, um zu gewährleisten, dass die Vielfalt der Möglichkeiten nicht zur puren Masse verkommt sondern zu einem erfolgreichen Gesamten wird.

      Die Dritte Seite ist die konsequente wirtschaftliche Führung, denn das Loslassen und Ermöglichen auf der einen Seite führt eben oftmals auch dazu, dass auf der anderen Seite das Maß für die Wirtschaftlichkeit verloren geht und der Aufwand sich anders entwickelt als der Umsatz.

      Die vierte Seite ist der Kunde bzw. der Umgang mit dem Kunden. Was will der Kunde, für was ist er bereit zu zahlen und wie bekommt man die komplexere, flexiblere Agenturwelt zum Kunden hin wieder verdichtet und vereinfacht?

      Das fünfte Seite betrifft eine andere Art des Loslassens und Ermöglichens: ich bin der Überzeugung, dass auch Agenturen selbst manchmal Loslassen müssen. Keiner kann heute mehr alles – und die Bereitschaft, sich zu öffnen und neue Wege der Zusammenarbeit mit Spezialisten einzelner Bereiche einzugehen, halte ich elementar für die Zukunft.

      Und deshalb – glaube ich – sorgt dieses Thema für so viel Unsicherheit. Weil Loslassen eben nicht bedeutet, dass man weniger Aufwand hat, sondern weil dann wirkliche Führungsarbeit gefragt ist, die im Zweifel viel mehr verlangt. Viel mehr Zeit. Und viel mehr Konsequenz.

      Beste Grüße,

      Michael Frank
      Exit-Industry GmbH

      • hgkuehn 30/10/2012 · Antworten

        Stimme Deiner differenzierenden Sicht zu, Michael.

        Ermöglichen bedeutet nicht, alles läuft aus dem Ruder und Unwirtschaftlichkeit. Dazu sind aber Ziele und Rahmenbedingungen als Orientierung notwendig. Und davor scheut sich der Macher. Er will sich ja nicht selber einengen.

        Und es bedeutet eine andere Art der Führung, die entlastet und viele neue Optionen eröffnet. Z.B. Wachstum, neue Geschäftsfelder, sich persönlich auf Wesentliches zu konzentrieren, begehrte Mitarbeiter gewinnen.

        Gruß nach Stuttgart
        Hans-Gerhard

    • Martin Süßmuth 07/11/2012 · Antworten

      Die Frage ist für mich nicht nur, wie wir führen sollen und wollen – die Frage ist, welche Möglichkeiten der Kunde zuläßt. Inhabergeführt heisst eben mit dem Inhaber am Tisch. der Kunde gerade der mittelständische Kunde entscheidet sich für Personen,. nicht für Systeme und Organisationen. Ein Loslassen gelingt nur, wenn der Vertreter die gleiche Akzeptanz erfährt wie du selbst. Insofern kommt den Agenturinhabern verstärkt die Aufgabe zu, multitalentierte, gut ausgebildete Stellvertreter und Führungskräfte zu entdecken und zu fördern.
      Martin Süßmuth, DIE CREW