• 31/10/2014

    Auch Heros brauchen Barcamps, denn Vielfalt beflügelt! 

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    Barcamp 2014 Suttgart, Sessions Sonntag

     

    Die gravierenden Marktveränderungen erfordern eine flexiblere Führung und Organisation von Kommunikationsagenturen. Wer die neuen komplexen Aufgabenstellungen lösen will, braucht alle Menschen an Deck mit ihrem individuellen Wissen, ihren Fähigkeiten und ihrem Können. Vielfalt zulassen und fördern ist das Gebot der Stunde. Der Ameisenhaufen Agentur lässt sich von einzelnen Heros und Machern allein nicht sinnvoll führen und organisieren. Neue Formate wie Barcamps erweitern die Handlungsspielräume.

    Szenario 1: Agenturalltag

    Die meisten Agenturen sind hierarchisch organisiert. Auch wenn von Teams und Teamspirit geschwärmt wird. Alphatiere, Heros, Macher prägen viele Agenturen und die Branche. Einige können es (meinen sie), andere (Mitarbeiter) sollten es auch packen. Aber so richtig traut man ihnen nicht. Immer gibt es jemand, der meint dafür sorgen zu müssen, dass es läuft, die Qualität stimmt und die Zahlen erfreuen.

    Viele Agenturen machen es auch anders. Sie wissen, dass 40 Mitarbeiter mehr wissen und können, als die Chefs wissen und können. Zwei Beispiele sind hier zu hören. Christian Schwarm, Dorten und Johannes Milla, Milla & Partner.

    Szenario 2: Managertreffen

    Wenn sich 50, 100 oder mehr Agenturmanager treffen, findet Schaulaufen statt. Man präsentiert sich, plaudert miteinander, ist nett, mag sich. Show at its best! Geboten wird Standard: Sich von der Bühne beschallen lassen. Experten erzählen wie es geht oder wie es besser wäre. Danach evtl. einige Fragen und etwas Diskussion. Wirklicher Wissensaustausch untereinander findet kaum statt. Sich öffnen, Know-how teilen, Erfolge und Misserfolge diskutieren, voneinander lernen? Doch nicht in diesem Kreis. Wahrscheinlich trauen sich die meisten nicht, viele sind zu einem echten Dialog nicht bereit oder erkennen die Chancen nicht, die darin liegen, Wissen offen zu kommunizieren und zu teilen.

    Szenario 3: Barcamp Stuttgart

    Da treffen sich an einem Wochenende im September 250 Menschen zum Barcamp in Stuttgart. Auf Twitter fiebern sie schon tagelang dem Ereignis entgegen. Sie kennen die Anfangs-, End- und Pausenzeiten, den Ort und sie wissen, dass im Stundenrhythmus Sessions stattfinden. Programm, Themen, Referenten? Entscheidet sich erst am Morgen des jeweiligen Tages. Bei der großen Themenplanung im Plenum stellt jeder, der möchte, seinen Themenvorschlag vor. Je nachdem, wie viele Interessenten sich melden wird ein großer oder kleiner Raum zugewiesen – und so entsteht Schritt für Schritt das Tagesprogramm.

    Barcamp ist eine sogenannte Nicht-Konferenz. Menschen tauschen sich in einer offenen Umgebung aus und lernen voneinander. Jeder ist aufgefordert, selbst einen Vortrag zu halten und eine Session zu gestalten oder
    bei der Organisation mitzuhelfen.
    Und so finden an beiden Tagen in Stuttgart rund 130 Sessions statt, parallel in bis zu 12 Räumen. Dazwischen und nebenher reden, fragen, austauschen, neugierig sein, lernen, Kontakte knüpfen, Jobs suchen und vermitteln. Das Barcamp ist auch eine einzige große Kaffeepause. Das Grundprinzip ist klar: Jeder hat interessantes Wissen zu vermitteln – von jedem kann man etwas lernen

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    Barcamp als Synonym für neue Formate

    Ein Barcamp ist für mich ein Beispiel für ein neues Verständnis von Zusammenarbeit, (Selbst-)Organisation und Führung. Barcamp bedeutet u.a. sich trauen, etwas Neues probieren, Selbstorganisation, Verantwortungsübernahme, temporäre Führung, Innovationen, hohes persönliches Engagement, Wissen teilen und weiter entwickeln. Alles lebenswichtige Dinge die für viele Agenturen eher Traum als Realität sind. Warum? Vielfach passen Führungskultur und -strukturen nicht, die Notwendigkeit wird nicht gesehen oder es wird versucht, loszulassen und doch alles im Griff zu behalten.

    Szenario 4: Traut Euch, Agenturen!

    Lasst mehr Neues zu. Probiert innovative und wirkungsvollere Formen der Agenturführung und -organisation. Schafft Handlungsalternativen, werdet auch in der Führung agiler und flexibler. Ihr könnt nicht alles fest und allein im Griff haben. Tauscht Kontrolle gegen Vielfalt. Schafft einen Rahmen, der für die jetzigen und zukünftigen Mitarbeiter attraktiv ist und die Lebensfähigkeit der Agentur erhöht.

     

    Übrigens: Auf dem Stuttgarter Barcamp 2014 waren über 10 Online-/Digitalagenturen vertreten als Sponsoren und Teilnehmer. Keine der eher klassischen Stuttgarter Kommunikationsagenturen war dabei. Wie ich in nachträglichen Gesprächen feststelle, wissen viele gar nicht, was ein Barcamp ist. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon bei Barcamps in anderen Orten gemacht. Schade, sich diese Chance entgehen zu lassen.

    Das 1. Agentur-Barcamp am 28./29.01.2016

    http://www.agentur-barcamp.de   Speziell für Agenturen organisiere ich mit Jan Theofel ein Barcamp in Frankfurt.

    Mehr über Barcamps

    Initiator und Moderator des Stuttgarter Barcamps ist Jan Theofel, der als Barcamp-Experte in ganz Deutschland unterwegs ist. Seine Website enthält viele Informationen zum Thema.

    Alles über das Stuttgarter Barcamp auf der Website.

    Die Onlineagentur .comspace nutzt das Barcamp-Format für die interne Weiterbildung.

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    • Jan Willand 02/11/2014 · Antworten

      Danke. Wieder einmal erkenne ich einige Thesen im Kontext Agenturalltag wieder. Eine Denk- und daraus resultierende Handlungsweise, wie sie sich in den 60er und 70er Jahren etabliert hat (oder war es schon früher) manifestiert sich oft im Traum der eigenen Agentur. Man hat es schlicht so gelernt. Und es ist schwer diese Gewohnheiten aufzugeben. Gute Kommunikation beinhaltet eben doch immer ein Stück Selbstdarstellung. Und die beruht per se auf dem, was man selbst dazu beiträgt. Die Leistungsfähigkeit und Motivation unterschiedlichster – immer anspruchsvoller weil selbstbewusster agierender – Mitarbeiter zu aktivieren ist für Agenturlenker keine leichte Aufgabe.
      Vielleicht sollten sich mehr von Barcamps inspirieren lassen, als von stundenlangen Brainstormings im eigenen Saft.